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Wie Big Data bei Patienten mit Prostatakrebs helfen können

Wie Big Data bei Patienten mit Prostatakrebs helfen können

Wie Big Data bei Patienten mit Prostatakrebs helfen können

Innovative Medicines Initiative genehmigt 12 Millionen Euro umfassendes, öffentlich-privates Forschungsprojekt zur Verbesserung der Betreuung von Patienten mit Prostatakrebs.

Die Innovative Medicines Initiative (IMI) hat PIONEER genehmigt. Dabei handelt es sich um ein brandneues, auf fünf Jahre angesetztes Projekt mit 32 Partnern aus neun Ländern. Die Zielsetzung von PIONEER ist die Sicherstellung einer optimalen Betreuung aller europäischen Männer mit der Diagnose Prostatakrebs über die Ausschöpfung des Potenzials von Big Data und deren Analyse.

Am 14. Mai haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft von PIONEER („Prostate Cancer DIagnOsis and TreatmeNt Enhancement through the Power of Big Data in EuRope“) in Amsterdam eine neue, öffentlich-private, paneuropäische Forschungsinitiative zum Prostatakarzinom ins Leben gerufen.

„PIONEER wird das Potenzial von Big Data nutzbar machen und somit das Gebiet der Prostatakrebsforschung vom Standpunkt aller relevanten Akteure wie Klinikern, Pharmaunternehmen, Kostenträgern und vor allem Patienten einer Wandlung unterziehen“, sagt der Koordinator von PIONEER, Prof. James N’Dow.

Wozu PIONEER?

Prostatakrebs ist die häufigste bei Männern diagnostizierte Krebserkrankung in Europa und verursacht einen von zehn Krebstodesfällen bei Männern.1 Die Gesundheitsausgaben für Prostatakrebs in der EU wurden im Jahr 2009 auf 8,43 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, was sieben Prozent aller Gesundheitsausgaben für Krebserkrankungen in Europa ausmachte.2

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es eine Reihe relevanter Wissenslücken bezüglich des Screenings, der Diagnostik und der Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs. Hierzu zählt:

  • Die fehlende Standardisierung der Definition von Prostatakrebs über alle Erkrankungsstadien hinweg;
  • Die unzureichende Kenntnis von Risikofaktoren für die Entstehung von Prostatakrebs;
  • Die unzureichende Kenntnis von Patientencharakteristika, einschließlich genetischer Profile, für eine optimale Patientenstratifizierung zum Zeitpunkt der Diagnose;
  • Das Fehlen einer sinnvollen Einbeziehung aller wichtigen Akteure, einschließlich Patienten, bei der Festlegung von zentralen Krankheitsausgängen;
  • Die fehlende effektive Einbeziehung von Erkenntnissen aus der klinischen Praxis, einschließlich Real-World Data.

Dieser Kenntnismangel führt dazu, dass keine optimale Vorhersage getroffen werden kann, welche spezifischen Behandlungsmethoden für welche Patienten zu den besten Ergebnissen führen. Währenddessen ist eine Vorhersage, welche Patienten sicher ohne eine Behandlung auskommen, nach wie vor schwer möglich.

Der besondere Ansatz von PIONEER besteht darin, zunächst entscheidende Evidenzlücken beim Umgang mit Prostatakrebs über eine genaue Schwerpunktsetzung auszumachen. Es werden alle Interessengruppen wie Kliniker, Patienten, Forscher, die Pharmaindustrie und Kostenträger miteinbezogen. Im Rahmen von PIONEER wird eine Standardisierung und Einbindung bestehender Big Data aus hochwertigen fachübergreifenden Datenquellen in eine einzige neuartige Datenplattform erfolgen. Dabei werden zwei bestehende Datenplattformen (tranSMART und OHDSI) genutzt, welche in vorhergehenden Projekten von IMI entwickelt wurden. Hieraus ergibt sich eine einzigartige und umfangreiche Datensammlung, welche die bedeutendsten klinischen Studien und Register, große epidemiologische Kohorten, elektronische Gesundheitsdaten sowie Real-World Data zum Prostatakrebs aus unterschiedlichen europäischen und nichteuropäischen Patientengruppen beinhaltet. Auf der Grundlage besonderer Methoden und fortschrittlicher Analyseverfahren wird PIONEER die Behandlung des Prostatakrebses verändern. Im Mittelpunkt stehen dabei besonders die Verbesserung der Krankheitsausgänge beim Prostatakrebs, die Effizienz des Gesundheitswesens und die Qualität der gesundheitlichen und gesellschaftlichen Betreuung. PIONEER wird zudem Empfehlungen für standardisierte Behandlungspfade für klinische Zentren in ganz Europa vorlegen.

Die Datennutzung im Rahmen von PIONEER und darüber hinaus wird sowohl für manuell als auch maschinell durchgeführte Tätigkeiten auffindbar („Findable“), zugänglich („Accessible“), kompatibel („Interoperable“) und umschrieben verwendbar („Reusable“) sein (FAIR). Die Kompatibilität dieser Daten mit aktuellen und zukünftigen multifaktoriellen Prostatakrebsdatensätzen wird dadurch verbessert. Schließlich wird PIONEER anhand von Big Data neue prognostische Algorithmen überprüfen, um neue Hypothesen für künftige prospektive Studien hoher Qualität vorzulegen. Wo es zweckmäßig erscheint, wird die Nutzung von Big Data in den klinischen Alltag eingebunden.

PIONEER wird durch das Gemeinschaftsunternehmen IMI2 finanziert, ist unter der Fördernummer 777492 (Finanzhilfevereinbarung) gelistet und ist Teil des „Big Data for Better Outcomes Programme“ (BD4BO). Unterstützung erhält IMI2 von Horizont 2020, einem EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation sowie der „European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations“ (EFPIA).

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft von PIONEER:

Die Arbeitsgemeinschaft wird gemeinschaftlich von Prof. James N’Dow von der Europäischen Gesellschaft für Urologie/Universität von Aberdeen und Dr. Alex Asiimwe von Bayer geleitet. Sie besteht aus 32 privaten und öffentlichen Interessenvertretern auf dem Gebiet der Prostatakrebsforschung und klinischen Versorgung aus neun Ländern:

 

Weitere Informationen unter www.prostate-pioneer.eu;  www.imi.europa.eu

  1. Ferlay, J., et al., Cancer incidence and mortality patterns in Europe: estimates for 40 countries in 2012. Eur J Cancer, 2013. 49(6): p. 1374-403.
  2. Luengo-Fernandez, R., et al., Economic burden of cancer across the European Union: a population-based cost analysis. Lancet Oncol, 2013. 14(12): p. 1165-74.